Alle im Saal schauten mit großer Überraschung in den Augen den König der Feuerzwerge an. Ein solch gütiges Angebot hatte niemand erwartet. Ich lächelte Garon freundlich an und glaubte auch in seiner Miene ein amüsiertes Zucken seiner Lippen zu vernehmen. „Ich weiß, dass Harsabna euch von der Geschichte unseres Clans alles Nötige berichtet hat. Wir hatten gestern Abend noch über unsere Pläne für den heutigen Tag besprochen. Falls ihr es noch nicht geahnt habt, die Gelehrte ist meine Vertraute und auch meine Verlobte.“, erklärte der Monarch in vertraulicherem Ton, bei dem seine Augen aufloderten. Harsabna stand schräg hinter dem thronähnlichen Sitzplatz Garons. Sie blickte breit grinsend und etwas beschämt auf den Boden vor sich, ehe sie sich straffte und meinte: „Ich sah keine Notwendigkeit darin, unsere Verbindung zur Sprache zu bringen.“ Verständnisvoll nickte ich ihr entgegen.
Das Geräusch schwerer Schritte schallte von der Außentreppe her in den Saal hinein. Der Soldat musste stehengeblieben sein, denn nur kurz klang die Rüstung nach, als die Schritte verstummten. „Ich melde mich wie befohlen.“, hörte ich Rybors Stimme, während ich weiterhin dem König meine Aufmerksamkeit widmete. Garon nickte ihm zu, dann setzte sich der Kommandant erneut in Bewegung, bis er rechts hinter dem König, neben Harsabna, seinen Platz einnahm. Das sanfte Glühen seiner Augen wirkte freundlich, als er uns der Reihe nach ansah.
Trotz der sich entspannenden Lage im Thronsaal wirkte das Treffen steif und unbeholfen. Die Feuerzwerge hatten in diesen Höhlen ungefähr eintausend Jahre ohne äußere Einflüsse verbracht und wussten nicht, wie sie mit uns Eindringlingen umgehen sollten. Die Gesichter der königlichen Berater sprachen Bände von Unsicherheit, Nervosität und Skepsis. Ich dachte daran, ihnen von meiner Mission zu erzählen und ihnen damit zu zeigen, dass die Clans gemeinsam mehr für alle Zwerge dieser Welt erreichen können als jeder für sich allein. Links von mir räusperte sich jemand. Garon nickte. Imus erhob sich und schaute die grauhäutigen Zwerge auf der anderen Seite des Tisches eingehend an. Die Zöpfe seines blonden Kinnbartes wippten, als der ehemalige Ratsherr der Händler das Wort an die Staatsmänner der Agâr’ursul richtete.
„Werte Anwesende. Mein Name ist Imus, Orinul. Als Daril, Pelok und Foret Sajranzizar, die Stadt der Händlergilde, besuchten, war ich noch Mitglied des dortigen Siebenerrates. Damals wollte ich mir nicht eingestehen, dass ich Fehler begangen hatte, die den dortigen Bürgern schadeten. Erst nachdem diese mutigen Zwerge, die nun mit mir hier sitzen, die Gefahr, die meine Heimatstadt bedrohte, beseitigt hatten, konnte ich wieder klar sehen. Sie hatten mich in ihren Reihen aufgenommen, um mir eine zweite Chance zu geben. Ich durfte mich beweisen, mein Unvermögen eingestehen und meinen Beitrag zur Gemeinschaft leisten. Ich möchte, dass unser Volk sich wieder zusammenfindet, um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Es ist nie zu spät, alte Fehler einzugestehen und den Versuch zu wagen, neues Vertrauen untereinander aufzubauen. Ich repräsentiere den Händlerclan und reiche den Feuerzwergen meine Hand.“, lieferte der elegant gekleidete Imus ein emotionales Plädoyer für die Zusammenarbeit zwischen den Clans ab. Spigna stand auf und sagte: „So wie ich für die Kristallzwerge der Kallâ Atâr euch meine Hand entgegenhalte.“, wobei sie den Arm wie zum Gruß nach vorn hielt. Imus machte es ihr nach, dann folgte Pelok, der sich ebenfalls von seinem Platz erhob. „Ich vertrete die Versorger von Ubâr Dûm und strecke euch daher meine Hand entgegen.“, nahm er die Geste auf. Auch Khûna sprang auf, hielt ihre Faust in die Höhe und proklamierte: „Die Druiden der Grünen Hügel sind auch dabei und reichen den Feuerzwergen die Hand.“ Olthek grinste, als er sich hinstellte. „Auch der Hartfels begrüßt diese Geste. Schlagt ein!“, forderte er den königlichen Berater, der ihm gegenüber saß, förmlich auf und hielt ihm seine Hand entgegen. Knirschend schob sich Gimal mit seiner Steingestalt aus der Sitzreihe. Mit seiner wie Sand reibenden Stimme sprach er nun: „Der Clan der Steinformer half allen Gilden dabei, eine neue Heimat zu finden. Nun ist es an der Zeit, wieder aufeinander zuzugehen. Die Zwerge brauchen die Einheit der Clans. Besonders die Familiengeschichte Harsabnas zeigt mir, dass wir es wagen sollten. Die spezielle magische Begabung der Feuerzwerge machte unseren Ahnen Angst. Lassen wir euer Feuer ein Licht im Dunkel sein, das den Clans zu neuen Wegen leitet. Ich reiche euch meine Hand.“
Zögerlich, beinahe widerwillig, erhoben sich Garons sechs Berater und schlugen in die ihnen dargebotenen Hände ein. Der König selbst aber hielt seine rechte Hand mir entgegen. „Daril, Sohn des Redin, Ihr und Eure Freunde waren überzeugend. Ihr führt eine neue Generation unterschiedlichster Zwerge zurück in die alte Heimat, um etwas Neues zu begründen. Ich möchte eurem Vorhaben nicht im Wege stehen.“, sagte er bedächtig. Ich schlug ein und drückte dankbar seine Hand.
Die Gelehrte machte einen Schritt nach vor, stand nun neben ihrem Verlobten. Er nickte ihr zu, dann machten ihre Hände eine umfassende Geste in unsere Richtung. „Euch ist jeder Zwerg wichtig, den ihr trefft. Die Geschichten hinter den Gesichtern berühren euch, das habt ihr alle bereits offen gezeigt. Dass ihr euch nicht scheut, euren Gefühlen nachzugeben, sie zuzulassen, macht euch uns ähnlicher, als wir vermutet hatten. Ihr habt die Generationen, die uns Feuerzwerge fürchteten, hinter euch gelassen und seht uns anders als jene. Hoffen wir, dass sich diese Geschichte nicht wiederholt, wenn die Clans wieder zueinander finden.“, drückte sie ihre Achtung uns gegenüber aus. Ich fühlte mich ebenso überrascht wie die Feuerzwerge, die uns anfangs so skeptisch begegnet waren. Nun entwickelte sich Akzeptanz zwischen ihnen und meiner illustren Reisegruppe. „Es war nie meine Absicht, alle Zwerge wieder nach Takal Dûm zurückzubringen. Unsere Heimat soll, meiner Vorstellung nach, zu einem Ort des Austauschs werden. Natürlich ist jeder Zwerg, der sich dort niederlassen möchte, herzlich willkommen. Die Stadt ist groß und hat viel zu bieten. Die Clanstädte haben mich aber genauso sehr beeindruckt und ich möchte jede davon noch mehr als einmal in meinem Leben bereisen.“, gab ich offen zu. Nie wollte ich jemanden zu etwas zwingen, aber ich wünschte mir, mit meinem Handeln Herzen zu öffnen und Austausch zu ermöglichen.
Rybor trat nach vorn, neben seinen Herrn, woraufhin sich Garon zu ihm wandte. Flüsternd wechselten sie einige Worte und der König nickte. Der Kommandant salutierte zackig und verließ den Saal scheppernden Schrittes. Die Lippen des Königs der Khazâd’ursul zuckten leicht amüsiert, als er mich erneut ansah. „Ich möchte euch alle einladen, mir in die Mensa zu folgen. Wir werden das Abendessen dort einnehmen. Ich habe Rybor geschickt, die Köche etwas Besonderes vorbereiten zu lassen.“, erklärte er den Anwesenden. Besonders seine Berater schienen von seinen Worten überrascht zu sein. „Kommt Daril, gehen wir.“, lud er mich ein, an seiner Seite zu gehen. Ich nickte dankbar und wir gingen auf beiden Seiten des langen Tisches entlang, bis wir beieinander standen. Die Berater und meine Gefährten folgten uns. Foret, Harsabna und Rognil bildeten den Abschluss der Reihe. Geordnet und doch ungezwungen setzten wir uns in Bewegung, verließen den Saal und gingen die Treppe auf der rechten Seite hinunter.
Auf dem Trainingsplatz des Wehrhofes übten sich die Soldaten der Feuerzwerge an ihren Waffen und in ihren Nahkampfkünsten, als wir ihn entlang der hinteren Mauer überquerten. Garon wollte seinen Untertanen wohl demonstrieren, dass wir seine volle Gastfreundschaft genießen durften. Oder wollte er uns zeigen, wie schlagkräftig seine Soldaten waren?
Seite an Seite durchschritten wir den Speisesaal der Kaserne und traten in die große Küche der Mensa ein, in der bereits reges Treiben herrschte.
Von der Essensausgabe aus hatten wir alle bei den Mahlzeiten zuvor schon einen Blick auf deren Zubereitung werfen können. Die Küche wirkte auf mich in jenem Moment doch erheblich größer, als ich es von außen wahrgenommen hatte. Schmale Kanäle aus Stein zogen sich in einem gleichmäßigen Raster durch den hinteren Bereich des großen Raumes. Neben dem Eingang teilte ein einladender Steintisch mit einer umfassenden Sitzbank die Essensausgabe vom Rest der Küche ab. Ein glatzköpfiger Koch verneigte sich tief, als er den König erblickte. Rybor stand pflichtbewusst hinter ihm und nickte der hereinströmenden Gruppe zu.
„Tretet nur ein und nehmt Platz.“, stammelte er unsicher. „Entschuldigt, Herr. Ich bin Fali, Sohn des Glom, Beikoch des Meisters. Es ist mir eine ungeahnte Ehre.“ Die blonden, geflochtenen Bartzöpfe des Kochs wippten währenddessen bei jedem Wort nervös. Wir setzten uns auf die gemeißelte Sitzbank. Die Feuerzwerge nahmen mit dem Rücken zur Essensausgabe ihre Plätze ein, wir ihnen gegenüber. Foret und Harsabna saßen links neben uns. Rechts von König Garon und mir standen noch Rognil und Rybor, wobei mich der Herrscher erneut direkt ansah. „Gut, dass wir uns nun hier eingefunden haben. Ich möchte euch zeigen, wie wir Gastfreundschaft verstehen. In meinen Augen lässt sich das am vortrefflichsten in der Küche selbst erleben. Das Feuer begleitet uns von Geburt an, ganz gleich, ob wir mit der inneren Magie gesegnet sind oder auch nicht. Es umgibt uns, spendet Wärme, lässt uns Metalle formen und Essen zubereiten. Das Feuer ist unsere Lebensgrundlage und gleichzeitig unsere Philosophie. Der Schmiedevater formte uns Zwerge aus dem Fels und hauchte uns allen das Feuer des Lebens ein. Wer das vergessen hat, belügt sich selbst und verleugnet sein eigenes Erbe als Zwerg. In euch allen habe ich aber dieses Feuer erkannt. Ihr tragt es offen sichtbar im Herzen und auf der Zunge. Eure Worte und Taten sind davon geprägt. Mein Blick trügt mich nie. Ihr alle seid wahre Zwerge. Ihr könnt unser aller Volk wieder zusammenführen, das über die Zeit verschiedene Wege gegangen war.“, formte der König seine Gedanken in Worte. Damit schmeichelte er mir sehr.
Ein schmaler Kerl mit einer dünnen Lederkappe auf seinem Kopf trat an den Tisch heran. Um seinen Oberkörper hatte er eine große Stoffschürze gelegt, deren Schnüre er über seinem Bauch verknotet hatte. Sein brauner Bart war dicht und kurz geschnitten. „Werte Herrschaften! Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Wir werden jetzt die Vorspeise zubereiten.“, sagte er mit tiefer, feierlicher Stimme. An mich und meine Gefährten gewandt setzte er mit einer angedeuteten Verbeugung hinzu: „Ich bin der oberste Koch der königlichen Wehrburg, Filoin ist mein Name, Sohn von Kori. Wir beginnen mit gratinierten Pilzstreifen und gedünstetem Blattgemüse.“ Dann zeigte er mit der linken Hand in Richtung der Magmakanäle, auf denen seine Kollegen Pfannen und Töpfe umherschoben, aus denen es köstlich duftete. Das pilzige Aroma war vorherrschend, doch das dampfende Gemüse untermalte es gekonnt. Wenn ich richtig lag, wurde Mangold zubereitet, doch die andere Geruchsnote wollte sich mir nicht erschließen. Die kräftig angebratenen Pilzstreifen, die vom Bovist stammten, wurden zum Abschluss noch mit Käse bestreut und in einem großen Ofen, unter dem ebenfalls flüssiges Gestein entlangfloss, gebacken.
Bevor die Köche die fertige Speise zum Tisch brachten, legten sie noch sorgfältig die gedünsteten Blätter zum gebackenen Pilzgericht. Als mir die kleine, noch brutzelnde Backform serviert wurde, stieg mir der hervorragende Duft noch intensiver in die Nase. Genussvoll sog ich das Aroma ein, als Garon volltönend allen „Guten Appetit“ wünschte. Die goldbraune Käsekruste bedeckte den angebratenen Bovist, Mangold und Brennnessel waren am Rand ausgelegt worden. Außer nach den offensichtlichen Zutaten duftete die Speise auch nach Knoblauch, Zwiebeln und Muskat. Genüsslich schnitt ich eine Ecke aus der Käseschicht und lud mir ein wenig von allem auf meine Gabel, um zu kosten. Der Geschmack flutete meine Zunge und ein Wohlgefühl breitete sich in mir aus. Wundervoll! Ich musste gelächelt haben, denn als ich in die Runde schaute, grinste mir Rybor entgegen.
Filoin und Fali winkten mir zu, als sie am anderen Ende der Küche meinen Blick bemerkten.
Obwohl das Essen schon beim ersten Gang vorzüglich gewesen war, konnte ich eine leichte Spur von Argwohn nicht ablegen. Zu einvernehmlich war die Atmosphäre, zu reibungslos waren die bisherigen Gespräche verlaufen, auch wenn der König als harter Gesprächspartner aufgetreten war. Bedächtig aß ich die steinerne Schale leer. Das Aroma des nussigen Käses verblieb wie ein Hauch auf meinem Gaumen, als die Zwergin mit der Lederschürze, die mittags das Essen ausgegeben hatte, damit begann, die Tafel abzuräumen, nachdem alle die Vorspeise verzehrt hatten. Einer der Berater schaute mich erwartungsvoll an und nickte mir zu. „Das war schon richtig gut, nicht wahr? Ich bin Argel, der Obermeister der Handwerker. Wie gefällt Euch bisher unsere Stadt, Herr Daril?“, wandte sich der fahlhäutige Zwerg neben Garon an mich.
Ich nickte zurück und antwortete ihm: „Die breite Treppe, die den Wehrhof mit dem Rand der Feuerhöhle verbindet ist wirklich imposant. Der Ausblick auf den See hat mich sehr beeindruckt.“, gab ich ehrlich zu. In seinem Gesicht zeigte sich ein breites Lächeln, das einige fehlende Zähne offenbarte. „Das Gericht eben war vorzüglich. Ich bewundere das Können eurer Köche sehr.“, lobte ich auch den ersten Gang des Festessens. Zufrieden nickte der Zwerg mit den langen violetten Haaren, die er zu einem Pferdeschwanz gebunden trug.
Mit fragendem Blick sah mich Khûna von der Seite her an. Sie zog ihre Stirn in Falten, als hätte sie meine Worte anders verstanden als ich sie gesagt hatte. Ich war verwirrt, doch gaben die Gastgeber mir keinen Augenblick, um mich innerlich zu ordnen, denn der nächste Gang wurde von Filoin angekündigt. „Medaillons vom Filet der Riesenwühlmaus, dazu Bratkartoffeln und Butterbohnen. Möge es allen munden!“, sagte der Koch laut und enthusiastisch. Die anderen Bediensteten brachten die schick angerichteten Steinplatten zu unseren Plätzen. Auf den kurz angebratenen Fleischstücken schmolz in jenem Moment duftende Kräuterbutter vor sich hin, die vom Fleisch aufgesogen wurde. Dass selbst Kartoffeln ihren Weg zu den Feuerzwergen gefunden hatten, überraschte mich wirklich. Die gelblichen, langen Bohnen erinnerten mich an den Garten der Uberts in Reinsdorf, wo sie auch von den Menschen angebaut worden waren. Die Komposition überzeugte mich. Ich atmete zweimal durch und begann langsam zu essen, nachdem Garon allen Anwesenden „Mahlzeit!“ gewünscht hatte.
Das Fleisch war so zart, dass es auf der Zunge zerging. Allein die Butter mit den frischen Kräutern würzte das Filet auf eigene Weise. Die kräftig gebratenen Kartoffelstücke und die gegarten Bohnen passten harmonisch dazu. Ich musste mich wieder zusammenreißen, um vor Genuss das köstliche Mahl nicht hinunterzuschlingen. So langsam wie ich das Essen zu mir nahm, so wurden auch meine Gedanken wieder klarer.
Mir kam in den Sinn, dass Khûna zum ersten Mal ihren vollen Namen nannte, als Rybor und seine Wachen uns zur Rede gestellt hatten. Wollte sie damit größeren Respekt erzeugen? Zumindest hatte es funktioniert. Ein weiteres Mal trafen sich unsere Blicke, diesmal nickte sie und zeigte ein schmales Lächeln.
Die Küchenhelfer kamen und räumten die leeren Teller von der Tafel. Filoin und Fali beehrten uns wieder und hielten schmale Platten in die Höhe, die alle einen Turm von Teigfladen trugen, von denen dunkle, süße Soße wie dicker Honig heruntertropfte. Zuoberst lag eine orangefarbene Beerenfrucht, die ich nicht kannte, mich aber an eine Himbeere erinnerte.
Ich rückte ein wenig zur Seite, als Fali vor mir einen der sechs Teller, die er trug, vor mir abstellte. Der süßliche Duft zog mit der Wärme der Speisen durch meinen Mund und meine Nase und entfachte wohliges Erwarten auf den Geschmack. Als alle am Tisch ihr Dessert erhalten hatten, erklärte Fali den letzten Gang des Menues: „Geschichtete Eierfladen, dazu eine Soße auf Basis von Rübensaft und Lithabeeren als fruchtige Ergänzung. Möge es euch munden.“ Wieder einmal nickten alle Zwerge an der Tafel und Foret meldete sich mit erhobenem Zeigefinger. „Eine Frage, werter Fali. Was sind das für Beeren? Ich kenne diese Frucht nicht.“, richtete er sich an den Koch, der grinste. Dabei holte er mit seinen Armen aus, um seine Worte zu unterstreichen: „Es handelt sich um eine besondere Züchtung der Himbeere, die uns mit den Norskmen verbindet. Die Pflanze benötigt viel Licht, Wärme und Feingefühl im Anbau.“ Mit einem zufriedenen Nicken quittierte Foret die Antwort und begann gleichzeitig mit allen am Tisch zu essen. Mit genüsslichem Schmatzen und kleinen Lauten der Verzückung verspeisten wir den Nachtisch, der samtig meine Zunge streichelte. Die Süße des Rübensirups brachte Erinnerungen an Birnai zurück, wo ich damals oft dunkles Brot, bestrichen mit Butter und Rübensaft, zum Frühstück gegessen hatte. Wunderbar ergänzte die Frische der leicht säuerlichen Beeren, die sich auch zwischen den Lagen befanden, das kulinarische Erlebnis.
Den letzten Bissen genoss ich mit geschlossenen Augen und ließ die Geschmacksexplosion tief auf mich wirken. Als ich mit einem tiefen Atemzug aufblickte, sah ich einen der Berater grinsen. Ich nickte ihm zu, schaute dann zu Garon, der gerade seinen Teller von sich schob. „Köstlich, nicht wahr?“, fragte der König mich leise genug, um nicht alle an der Tafel daran teilhaben zu lassen. Ich lächelte und antwortete ehrlich: „In der Tat. Alles war vorzüglich. Der Nachtisch schmeckte für mich sogar nach Heimat.“
Der Herrscher blickte an der Tafel entlang in die Gesichter aller Anwesenden, als Spinella sich erhob und auf die steinerne Bank stieg. Alle Gespräche verstummten, das Klappern aus dem hinteren Bereich der Küche ebenfalls. Auch nach all der Zeit glitzerten ihre Augen noch mit kristallinem Schimmer. Ihre Stimme war leise, aber klar als sie sprach: „Ich möchte mich für dieses vorzügliche Mahl bedanken. Bei König Garon, Herrscher der Feuerzwerge, der es ermöglichte und auch bei den fleißigen Köchen, die uns großes handwerkliches Können gezeigt haben. Ihr seht mich wahrlich beeindruckt.“ Die Zöpfe ihres weißen Haares wippten beim Reden ein wenig und ich war stolz auf sie wie ein Vater. Die anwesenden Zwerge nickten der Khazdûna dankbar entgegen, die Köche und Bediensteten lächelten still, als ich zu ihnen hinübersah.
Nun erhob Garon sich. „Der Tag war lang und wir haben uns nun näher kennengelernt. Ihr seid und bleibt in den Agâr’ursul willkommen. Rybor bringt euch zur Unterkunft.“, beendete er recht abrupt das Festmahl ohne nähere Erklärung. Seine Berater folgten ihm, als er zum Durchgang schritt und die Küche verließ. Die Feuerzwerge tuschelten leise beim Vorbeigehen, aber ich konnte nichts davon verstehen. Rybor blieb bei uns, bis die hohen Herren gegangen waren. „Ihr habt den König gehört. Was ihn dazu trieb, kann ich nur erahnen, aber ich möchte nicht mutmaßen. Lasst uns gehen.“, meinte er entschuldigend und brachte uns zu unserem Zimmer in der Kaserne. Der Hof lag still, während wir hinübergingen.
Der Kommandant schloss die Tür hinter sich, als er uns allein ließ. Rognil wusch sich die Hände, Khûna schaute etwas finster und Pelok räusperte sich hörbar.
„Die Berater gingen an mir vorbei und ich habe etwas vernommen, das mich aufhorchen ließ. Halpo war es, glaube ich, der leise mit Osmug redete und ich schnappte folgenden Satz auf: ‚Nur wegen denen wurde solch ein Mahl aufgefahren? Nicht einmal am Tag des Schmiedevaters gibt es so viel Essen in dieser Qualität.‘ Ich stutzte und konnte kaum abwarten, euch davon zu berichten.“








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